Monday, June 18, 2012

Frankreichs neues blondes Gift





MARECHAL-LE PEN
Le Pen-Enkelin im Parlament
Das neue Gesicht des rechtsextremen Front National: Marion Maréchal-Le Pen ist nach dem Wahlsieg die jüngste Abgeordnete im französischen Parlament

Frankreich am Tag nach dem Erdrutsch-Sieg der Sozialisten bei der Parlamentswahl: Die französische Regierung ist wie üblich formal zurückgettreten. Präsident François Hollande (57) beauftragte gleichzeitig Premier Jean-Marc Ayrault, eine neue Regierung zu ernennen.
Aber auch der rechtsextreme Front National sorgte bei der Wahl für eine Sensation: Die Enkelin des Parteigründers, Marion Maréchal-Le Pen, gewann einen Sitz im Parlament und wird nun als erste FN-Abgeordnete seit 1998 die Partei in der Nationalversammlung vertreten. Nicht nur das: Die Jurastudentin ist die jüngste der 577 Abgeordneten.
Der zweite FN-Sitz ging in Nîmes an den Anwalt Gilbert Collard
DAS BLONDE GIFT
Marion ist das neue Gesicht des Front National, das nette Gesicht.


Gratulation für die Enkelin: Die dritte Generation der Le Pen-Familie mischt in der Politik mit
Foto: dapd
Ihr Großvater Jean Marie Le Pen (84) platzte beinahe vor Stolz: „Sie ist noch besser, als ich gedacht habe”, sagte der langjährige Parteichef.
Opa Le Pen war eigene ins südfranzösische Carpentras gereist, um dort den Sieg seiner Enkelin zu feiern.
Der Patriarch, der den FN vor 40 Jahren gründete und mehrmals wegen Leugnung des Holocaust verurteilt wurde, ist stolz auf seine Politdynastie: „Das zeigt, dass wir eine gute Rasse sind”, rühmte sich der für seine derbe Ausländerfeindlichkeit bekannte Großvater im Parlamentswahlkampf – und in der Wortwahl klang auch die rechtsextreme Gesinnung an.
Die schmale, blonde Marion trat im Wahlkampf nicht so aggressiv auf wie ihr Großvater, der 1956 mit 27 Jahren sein erstes Abgeordnetenmandat errungen hatte.
Doch inhaltlich unterscheidet sich Marion, die Tochter von Le Pens zweiter Tochter Yann, nicht vom Rest des Clans: „Die Ideen sind dieselben”, sagt die Kandidatin selbst.
Bereits mit 17 Jahren trat Marion in den Front National ein, vor zwei Jahren kandidierte sie bei den Regionalwahlen im Département Yvelines im Großraum Paris. „Ich mache das nicht, um meinem Großvater einen Gefallen zu tun”, sagte sie damals.
FRANKREICH-WAHL

FRANKREICH-WAHL
Erdrutsch-Sieg für Sozialisten!


Die Entscheidung für den Wahlkreis Carpentras, wo der FN traditionell stark ist, fiel dann aber doch mit Blick auf den Opa. Der Parteigründer hatte ursprünglich selbst erwogen, sich dort zu bewerben, um die „Kränkung” auszugleichen, die der FN nach der Schändung 34 jüdischer Gräber 1990 in Carpentras erlitten habe. Damals waren Anhänger von Le Pen für die Tat verantwortlich gemacht worden, die weltweit für Aufsehen sorgte. Jahre später wurden dann Skinheads dafür verurteilt.
„Dieser Sieg ist eine Revanche“ so Le Pen-Senior großspurig.
Nachdem sie im Mai ihre Kandidatur in Carpentras bekanntgegeben hatte, setzte Marion Maréchal-Le Pen inhaltlich kaum eigene Akzente.
Als eher schüchtern wirkendes junges Mädchen mit fiepsiger Stimme passt sie aber gut in die Strategie ihrer Tante, die den islamfeindlichen FN „entdämonisieren” will.
Warum sie gewählt wurde? Die Enkelin profitierte von einer günstigen politischen Konstellation in ihrem Wahlkreis – hohe Arbeitslosigkeit, Ausländerfeindlichkeit.
Und sie war im Wahlkampf kaum präsent: „Ihre Gegner haben eine Phantom-Kandidatin kritisiert“, schrieb der „Parisien“. Sie sei eine Kandidatin gewesen „ohne Wahlkampfbüro, ohne Adresse, ohne Telefonanrufe zu beantworten.“ Ohne Fehler zu machen...
FN-CHEFIN WILL KLAGEN
Die 43-jährige Marine Le Pen, die den Parteivorsitz erst vor anderthalb Jahren von ihrem Vater übernommen hatte, verpasste den Einzug ins Parlament selbst ganz knapp. Sie will die Niederlage nicht akzeptieren und kündigte eine Klage vor dem Verfassungsrat an.
Sie verlor gegen den sozialistischen Herausforderer mit einem Rückstand von 118 bei insgesamt 55 000 Stimmen.
Die FN-Chefin freute sich jedoch über den Erfolg ihrer Nichte, die sie nach den Vorstellungen des alten Le Pen auch einmal beerben könnte. Großvater Jean-Marie hat mit der Studentin ohnehin noch Großes vor. Auf die Frage, ob Marion die Partei einmal führen werde, antwortete der 83-Jährige: „Vielleicht sogar das ganze Land - warum nicht?

BILD